"Touch The Sky"

Diskussionen über einzelne Songs von LIBERA

"Touch The Sky"

Beitragvon Filiarheni » Samstag 15. Oktober 2016, 22:40

:arrow: Ein Plädoyer

Touch The Sky - ein ganz ungewöhnliches Lied, das ich sehr schätze und mag!

Ich habe neulich schon einmal eingeräumt, mit dem Folgenden in den Augen des einen oder anderen wahrscheinlich ein Sakrileg zu begehen. Aber ich spreche es aus: Ich finde, dass man Touch The Sky einen neuen Solisten verpassen und es wieder ins Programm bringen sollte. Denn ich bin nicht der Meinung, dass es allein die Stimme von James Mordaunt ist, die es zu dem macht, was es ist.

Es wäre äußerst schade und nicht korrekt an dem Lied gehandelt, es nach James nie wieder aufzugreifen. Dafür ist es zu viel wert. Es ist musikalisch interessant, ein eigenartiges Lied, kommt einem nicht so leicht entgegen wie die meisten anderen. Man muss es schon auch mit dem Kopf hören, nicht nur mit dem Gefühl. Deshalb kann ich es auch nicht immer hören. Wenn ich nicht richtig zuhören kann, muss ich das Lied überspringen.

Und auch hiermit wiederhole ich mich: Ich ziehe den Hut vor Ben Crawley für diese Komposition und sein Arrangement dazu, sicherlich beeinflusst durch Song Of Enchantment und Mysterium, aber ganz eigenständiges Lied!

Mal mit jemand anderem kann ich es mir sogar gut vorstellen, grade auch mit einer weniger kindlichen Stimme, weil ich die Musik so "erwachsen" finde. Es wäre dann auch keine Konkurrenz für James Mordaunt, sondern eben eine andere Interpretation. Das Lied sollte nicht in der Versenkung verschwinden, weil es keinen zweiten James gibt. Deshalb wünsche ich mir, dass es wieder in Robert Prizemans Blickfeld gerät. Wayfaring Stranger in Sam Coates' so wunderschönem, aufwühlendem Arrangement ist im aktiven Repertoire, und es kann nur richtig sein, gelungene Würfe der Ehemaligen auch entsprechend zu würdigen, also: Auch Ben mit Touch The Sky wieder rein ins Programm!

Es wird so manchem Lied nicht gerecht, wenn man meint, dass sie mit einem ganz bestimmten Solisten stehen und fallen. Was soll ein Jungenchor denn dann machen? Damit gehen musikalische Juwelen verloren, und Touch The Sky ist eins. :!:

Was das Ende betrifft, bin ich mir bis heute nicht schlüssig, was dieses flockige Dum-dum-Ende zu bedeuten hat, wie es sich mit der vorhergehenden Musik verträgt, ob es ein Bruch ist, inwiefern Ben selbst es als solchen empfunden haben mag oder auch nicht, ob er ihn also gewollt hat, und wie ich selbst dazu stehe.
Es würde mich extrem interessieren, wie andere das sehen. Ist das für euch so stimmig? Welche Stimmung löst das Lied in euch aus, und ändert sie sich beim Schlussteil?
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Re: "Touch The Sky"

Beitragvon Filiarheni » Sonntag 16. Oktober 2016, 17:11

Endlich ist mir auch der Ausdruck eingefallen, den ich gestern für Wayfaring Stranger nicht finden konnte. Ich meinte weniger "aufwühlend" als vielmehr: unter die Haut gehend. Das trifft es jetzt.
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Re: "Touch The Sky"

Beitragvon mawi » Sonntag 16. Oktober 2016, 20:20

Es gibt Lieder, die hat man kennen und lieben gelernt mit der Stimme, die man zum ersten Mal gehört hat. Das muss nicht zwangsweise immer der Solist sein, der zuerst ein Lied gesungen hat (sofern es mehrere Versionen gibt). So verbindet der ein oder andere z.B. Far Away eher mit Thomas Cully als mit Michael Horncastle. Wie es auch sei, Robert Prizeman versteht es die Stimmen so einzusetzen, dass man sich die Frage stellen muss: "was war zuerst: Die Stimme oder das Lied?"

Bei vielen Liedern hat man das Gefühl, dass das Lied für die Stimme geschrieben wurde, was es später dann aber erschwert die Stimme auszutauschen. Das Lied wird mit einer neuen Stimme praktisch zu einer Coverversion. Was letztendlich bei Konzerten ziemlich viele Lieder betrifft. Tatsächlich habe ich schon von mehreren gehört, dass sie sich zu dem Lied keinen anderen Solisten vorstellen können. Ich enthalte mich, nur wenn, dann müsste die Stimme des Solisten einen ähnlich zerbrechlichen Charakter haben. Ob das Lied live dann so präsentiert werden kann, dass es seine Wirkung entfalten kann, das ist ein ganz andere Frage. Bislang jedenfalls wurde Touch the Sky meines Wissens live nicht gesungen, auch nicht von James.
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Re: "Touch The Sky"

Beitragvon Filiarheni » Montag 17. Oktober 2016, 17:49

Vorbemerkung: Während ich den folgenden Kommentar geschrieben habe, hat sich etwas entwickelt: Ich war mir am Ende über etwas klar, was ich vorher nicht zu fassen bekommen hatte. Ich lasse ihn jetzt aber so stehen, wie er war.

---

Ich kann mich mit dem Ausdruck "zerbrechlich" nicht recht anfreunden. Irgendwie hat er für mich einen negativen Beigeschmack, und so ist er ja hier nicht gemeint. Deswegen möchte ich gerne zunächst einmal den Begriff klären, bevor ich in das andere noch mal einsteige. Denn im Zusammenhang mit Musik habe ich "zerbrechlich" noch nie gehört, nur als Beschreibung von James' Stimme auch woanders schon mal gelesen.

Eigentlich heißt zerbrechlich doch: zerbricht leicht, muss deshalb besonders geschützt werden, ist schwach, wird leicht krank. Also Tendenz negativ. Deswegen: Was ist gemeint? Meint ihr (= die es so nennen) es im Sinne von "zart" - sicher ein Wort, das einem, was Jungs betrifft, seltsam vorkommt? Kommt das hin?
Wie ist es mit vorsichtig? Behutsam? Sanft, leise? Zurückhaltend? Still? In sich gekehrt? Durchsichtig? Filigran? Leicht? Leise? Flüsternd, viel Hauch?

Nehmen wir mal "zerbrechlich" in deinem/eurem Sinn und "zart" als Synonyme an: Finden sich bei Libera auch andere Stimmen bzw. Stellen in anderen Liedern, in denen die Stimmen so eingesetzt werden (von James gibt es ja nur das eine Lied, also weiß man nicht, wie seine Stimme in anderen Liedern hätte klingen können)? Ist Eds Art, wie er In Paradisum singt, zumindest stellenweise nicht auch "zerbrechlich"? Dagegen aber gar nicht in seinem Ave Maria. Ich hatte zuerst auch an Ralphs Stimme in The Fountain gedacht, aber nach nochmaligen Hören wieder verworfen, das war ein Irrtum. Die Art dagegen, wie Ben die erste Strophe von Twilight singt, gehört dazu. Das hat nichts damit zu tun, dass sie James' Stimme nicht ähnelt; darum geht es nicht.
Was ist mit Josh und Coventry Carol? Er singt da so absolut leise und hatte ja immer eine sehr sanfte Stimme. Seine Stimme könnte ich mir für Touch The Sky vorstellen. Aber tja ... die Chancen stehen schlecht. :lol: Ich denke auch über Liam O'Kane in Agnus Dei nach.

Gerade habe ich mir ja noch mal ganz viel angehört, das da oben und mehr, mit Touch The Sky verglichen und abgewartet, was mir bei James' Stimme in den Sinn kommt. Und jetzt habe ich tatsächlich für mich etwas herausgefunden, was mir vorher nicht bewusst war: Geheimnisvoll, seine Stimme ist geheimnisvoll! Ganz leise erzählt er es wie ein Geheimnis, was er da gerade erlebt.

Wenn ich James das Lied singen höre, dann habe ich immer ein Bild von "eingerollt, eingekuschelt" vor mir, als würde er ganz klein in einem riesigen, alten, starken Baum hocken (gut, da hilft der Text), aber dieses Kleine, wirklich zum Beschütztwerden, aber trotzdem ruhig und sicher mitsamt seinen Träumereien, das finde ich in seiner Stimme.

Ist immer wieder faszinierend, was Musik so alles hervorruft und in diesem Fall zusätzlich: wie man plötzlich etwas Neues finden kann, während man darüber schreibt (und ich habe mich diesmal so schwer getan, wie ich es ausdrücken soll), sich zum Teil noch nicht mal sicher war, ob man sich selbst recht geben kann - und plötzlich kommt eine ganz neue Erkenntnis, die man dann auch benennen kann, was vorher nicht ging. Hoffentlich bleibt es so. Hoffentlich werde ich immer wieder noch etwas Neues in Liberas Musik finden.
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Re: "Touch The Sky"

Beitragvon ludwig1874 » Freitag 21. Oktober 2016, 13:43

Nach längere Zeit melden ich mich wieder zurück - Grüße aus Nord-Ost-China. Ich bin aber auf VK und libera-dreams aktiv unter gleichem Namen...

"Es würde mich extrem interessieren, wie andere das sehen. Ist das für euch so stimmig? Welche Stimmung löst das Lied in euch aus, und ändert sie sich beim Schlussteil?"

Wie ich hier schon mal geschrieben habe, empfinde ich den Schlussteil als den Höhepunkt, spielerisch, leicht, wie ein kleiner Kolibri schnell und frech und schon vorbei. Gerade weil es so dissonant, so vollkommen unerwartet (beim ersten Hören) ist, weil es so unüblich und positiv ausgedrückt "schräg" klingt, ist er die nicht mehr zu steigernde Konzentration am Ende: Auf einen Baum steigen, den Himmel berühren und Freude haben, das drückt der Schlussteil aus. Und: Weil der Schlussteil auch ein "Risiko", ein "gegen Strom" Schwimmen ist musikalisch, bei all der wirklich wunderbaren Harmonie von "Peace". Der letzte Ton, der dann ohne Instrumental erklingt, lässt mich jedes mal lächelnd zurück.

Auch super ist die Präsenz und die Aufnahme der Stimme, der Backgroundgesang (mit seinem hin- und her"wehenden" Aaaahs). Einfach toll! Auch ich denke, dass dieser Titel sehr auf die Solostimme zugeschnitten ist. Aber jeder empfindet das wohl anders... Aber gerne würde ich eine Neuversion hören, auch Live....
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Re: "Touch The Sky"

Beitragvon Filiarheni » Freitag 21. Oktober 2016, 16:58

Bevor ich mich mit dem Text zu dem Lied befasst habe, aber natürlich in der vom Titel vorgegebenen groben Richtung, habe ich im Schlussteil immer eine Wiese mit Schmetterlingen vor mir gesehen.

Sehr metaphorischer Text, stark mehrdeutig, dazu könnte man so einiges sagen (gut, dass du jüngere Schüler hast, die müssen sich also nicht vor solcherlei Klassenarbeitsthemen fürchten. ;)) Und natürlich die musikalische Umsetzung. Touch The Sky wäre sehr ergiebig. "All the colours" und die "softly swaying breeze" finden sich in den dissonanten Klängen (machen die Vielfalt deutlich) und deren Bewegungen. Zum Beispiel.

Noch einmal zu dem Schlussteil (Coda): Unerwartet ja, auf jeden Fall, die Leichtigkeit nach dem etwas schwereren Vorausgegangenen. Aber dem "dissonant" kann ich nicht zustimmen, vielleicht meinst du es ja eher in Bezug auf die Vorher-Nachher-Beziehung und gar nicht in den Harmonien? Im Vergleich zu dem so sehr dissonanten Teil vorher sind die Dissonanzen hier ganz klar runtergefahren. Im empfinde das Unerwartete genau durch diesen Wechsel. Erst der dissonante Teil, dann das deutlich Konsonantere, das Leichte, meinetwegen gern: Fröhliche. Befreite. Musikalische Dissonanzen fordern letztendlich eine Auflösung. Die hat Ben hier praktisch über ein ganzes Lied auskomponiert. Irre!

Ein sehr anspruchsvolles Stück ist das! Und definitiv schwierig zu singen. Vielleicht wird es deswegen nicht aufgeführt? Aber Libera würde es live hinbekommen, ganz bestimmt. Deswegen, Robert Prizeman, bitte ...

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Re: "Touch The Sky"

Beitragvon ludwig1874 » Samstag 22. Oktober 2016, 07:48

vk ist das russische Facebook, dort gibt es eine große Liberagruppe: www.vk.ru. Mit dissonant meine ich auch, dass am Schluss zwei Stimmen "gegeneinander" singen, was die Tonart angeht (bin da kein Musikprofi und kann es leider nicht besser ausdrücken)... Viele Grüße aus China!
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